Suchen nach:

Startseite

Termine, Führungen und Veranstaltungen

Aktuelles zur Ausstellung

Aktuelles zur Stadt

Presse

Preise & Öffnungszeiten

Das Ausstellungscafé

Fotogalerien

Anfahrt und Kontakt

PRESSE UND MEDIEN
Sonderausstellung im Kloster Bad Schussenried
vom 27.11.2016 bis 05.03.2017


Fernsehen: Beitrag des SWR

Hier können Sie den Beitrag des SWR ansehen >>



Presseartikel


DOWNLOADS 2011:

Presseartikel 28. Dezember 2011

"Eine Geschichte immer wieder neu erzählt">>
(Schwäbische Zeitung, von Anette Grüninger)

Presseartikel 13. Dezember 2011

"Engel fliegen durch Bibel und Koran" >>
(Schwäbische Zeitung, von Anette Grüninger)




DOWNLOADS 2010:

Presseartikel 2010

Kleine heile Welten fürs Herz >>
(Der Pilger, Bruchsal)


der pilger 52-53/2010 – 33

Kleine heile Welten fürs Herz

Eine Ausstellung im Bruchsaler Schloss zeigt rund 200 Weihnachtskrippen aus der ganzen Welt

Im Bruchsaler Schloss ist zur Zeit eine Ausstellung von Weihnachtskrippen aus aller Welt zu sehen. Die Schau zeichnet die Entwicklung des Krippenbaus nach und zeigt rund 200 Beispiele – raumfüllende Krippen und ganz winzige, die in einen Kirschkern oder eine Nussschale eingefügt sind.

Weihnachten 1223. Im Wald des italienischen Dorfes Greccio, in den Sabiner Bergen.
Nach einer Legende probiert Franz von Assisi eine neue Form der Glaubensverkündigung aus: Zu einem Futtertrog, in dem ein Kind schläft, gruppiert er Frau und Mann sowie einen Ochsen und einen Esel, beides lebende Tiere. Die erste Weihnachtskrippe ist erfunden, das erste Krippenspiel quasi gleich mit: Den Besuchern an der Krippe lässt Franz das Kind in die Arme legen. Sie sollen erspüren: Gott ist wirklich ein Mensch geworden, er hat ganz klein angefangen.

Franz schafft es mit seiner Predigt und der Nachstellung der Szene aus dem Lukasevangelium, den Menschen die frohe Weihnachtskunde näher zubringen.

Krippen erzählen das Weihnachtsgeschehen. Für Hansi-Maria Schmehle-Knöpfler aus Bad Schussenried erzählen die Krippen aber auch etwas über ihre Schöpfer: „In jedem Land, in jeder Region gibt es eigene Traditionen beim Krippenbau. Der ganze Reichtum, den die Figuren einer Krippe zeigen, die regionalen Trachten, die Gläubigkeit – das zeigt, wie Menschen sich selbst wünschen, wie sie sich eine heile Welt vorstellen.“
Schmehle- Knöpfler hat mit ihrer Krippensammlung die Sonderausstellung „Krippen dieser Welt“ im Bruchsaler Schloss ermöglicht. Wie ein roter Faden zieht sich das Thema „Errettung“ durch die Ausstellung. „Das hat mich immer interessiert, wie die verschiedenen Zeiten und Menschen mit ihrem Bild von Jesus und vom Glauben umgegangen sind, worin sie ihre Rettung sahen.“
Die 200 Exponate stellen diese verschiedenen Gottes- und Menschenbilder dar: Hier ein Jesuskind, dass schmerzvoll sein Gesicht verzieht angesichts des Leides in der Welt, dort – in einer anderen Krippe – wird bereits der Tod des Heilands angedeutet: Das Kind hält ein Kruzifix in der Babyhand.
Und nochmals anders: Die Krippen der neapolitanischen und provencalischen Tradition – sie quellen schier über von Lebensfreude, Alltagsleben und Lokalkolorit. Da ist es gar nicht so einfach, die heilige Familie zu entdecken, die sich eher am Rand des Geschehens niedergelassen hat.
Lokalkolorit auch in einer Krippe aus Peru – nicht Ochs und Esel beäugen die heilige Familie, sondern ein wolliges Alpaka.

Die 200 Exponate in Bruchsal sind nur ein Teil der privaten Sammlung der Familie Schmehler-Knöpfler. Die 64-jährige Psychotherapeutin und ihr Ehemann Peter Schmehler nennen noch viel mehr Krippen ihr Eigentum. „Zwischen 300 und 500, so genau wissen wir das nicht.“ Die beiden „bringen es gemeinsam auf runde 100 Sammlerjahre“.
Seit frühester Jugend interessieren sie sich für Volkskunst. „Krippen waren da lange ein Spezialgebiet, bis es dann so viele waren, dass es alles andere überflügelt hat.“
Das Interesse an Weihnachtskrippen lag den beiden wohl bereits in der eigenen Wiege – die Großtanten von Frau Schmehler-Knöpfler bauten und restaurierten bereits in den 1920er-Jahren Weihnachtskrippen, während Herr Schmehler, der als Arzt tätig ist, aus einer Elfenbeinschnitzer-Familie stammt. „Das war sicher kein Zufall, dass wir uns gefunden haben“, sagt die 64-Jährige lachend.

Inzwischen macht die ganze Familie bei dem „Hobby“ mit, Kinder, Mutter und noch andere Verwandte. Dass die „Krippenfamilie“ aus dem Oberschwäbischen stammt, ist wohl auch kein Zufall. „Bei uns in der Region ist die Krippe eine wichtige Sache und in fast jedem Haus beheimatet.“ Selbst das Krippenschauen, also das Wandern von Krippe zu Krippe, genieße noch eine weite Verbreitung.
In Oberschwaben also fand die Erfindung des heiligen Ordensgründers Franz einen besonderen Rückhalt. Darstellungen von der Geburt Jesu und der heiligen Familie gehen freilich nicht alleine auf Franz von Assisi zurück. Bereits vorher gab es Abbildungen von einer Geburtsszene oder – ebenfalls als Vorläufer der Krippe zu sehen – Madonnenbilder, die die JungfrauMaria mit dem Jesuskind zeigen.
Nicht in allen Phasen der Kirchengeschichte waren diese Darstellungen beliebt und erlaubt. In der frühen Zeit der Kirche stritten die theologisch Gelehrten jahrhundertelang darum, ob Jesus bildlich dargestellt werden durfte. Symbole und Bilder gab es allerdings schon seit frühester christlicher Zeit, etwa der Fisch, die Taube, das Lamm – und vor allem das Kreuz. Unter den Gelehrten gab es Gegner und Befürworter des Bilderverbots. Erstere setzten sich im neunten Jahrhundert durch – auch weil sich religiöse Inhalte und Glaubensbotschaften mit Bildern und szenischen Darstellungen leichter an das einfache Volk vermitteln ließen. Die prächtig ausgemalten Kirchen früherer Jahrhunderte und die religiöse Kunst geben wie die Krippen davon Zeugnis. Sie waren – und sind – ein Mittel der Verkündigung und der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit.

Im Lauf des 17. Jahrhunderts gab es in allen Kirchen der größeren Städte Krippen. Im Dom der süddeutschen „Krippen-Hauptstadt“ Augsburg stand schon seit 1559 eine immerwährende Krippe. Sie existiert sogar heute noch – als älteste Krippe Deutschlands.
Zuvor hatten sich die Darstellungen von Christi Geburt in Spanien und Italien verbreitet. Weihnachtskrippen setzten sich nicht nur beim wohlhabenden Adel und im Bürgertum schnell durch, sondern immer mehr beim einfachen Volk, bei den Bauern und später den Industriearbeitern.
So zeigt die Bruchsaler Ausstellung einige Papierkrippen aus der wilheminischen Kaiserzeit. Sie wurden bereits maschinell gefertigt und bemalt. Damit waren sie für die typische Arbeiterfamilie und die Landbevölkerung erschwinglich.

Schon früher sorgte ein absolutes Krippenverbot mit dafür, dass immer mehr Familien die gute Stube mit einer Krippe schmückten. Der habsburgisch- deutsche Kaiser Joseph II. (1741 bis 1790) und seine Mutter Maria Theresia versuchten, das religiöse Leben zu reformieren. Die stark gefühlsbetonte Glaubenswelt des barocken Zeitalters sollte der Vernunft Platz machen. Der Glaube sollte vor allem mit dem Verstand begriffen werden, nicht mit Szenen aus dem Leben Jesu. Daher verbannte Joseph Krippen aus dem öffentlichen Leben und ließ gar durch Beamte die Einhaltung dieses Verbots kontrollieren. Beim Volk sorgte das für große Empörung. Und weil man auf Krippendarstellungen nicht verzichten wollte, holte man sich diese in die eigenen vier Wände. „Der Mensch ist eben ein Herzenswesen, und er braucht Bilder, wie die Krippe sie darstellt“, sagt die Krippenfachfrau Hansi-Maria Schmehle-Knöpfler. Für Männer, ist sich die Psychotherapeutin sicher, hätte der Krippenbau auch die Bedeutung gehabt, „das Kind in sich“ ausleben zu können. „Das ist ja heute kein Problem mehr, da basteln ganze Generationen an der Modellbahn.“ Früher aber, vor Jahrzehnten und Jahrhunderten, sei es verpönt gewesen, dass Männer sich so verspielt zeigten – „bis auf die Weihnachtszeit, da konnte dann das Kind im Mann zum Vorschein kommen“.

Ganz andere Interessen verfolgten die Ordensmänner der Jesuiten, als sie die Krippen nach Amerika brachten. In ihren Missionsstationen in Lateinamerika dienten dieWeihnachtsszenen als Anschauungs- und Lehrmaterial zur Missionierung der Indios. Die Urbevölkerung übernahm schließlich die Tradition des Krippenbaus von den Weißen – die Bruchsaler Ausstellung zeigt mehrere Weihnachtsszenen lateinamerikanischen Ursprungs. Eine davon ist aus Brotteig gefertigt. Ob mit Teig, Ton, Papier, Wachs, Holz, Tragant (einem zuckerähnlichen Stoff) oder Perlmutt – die Schöpfer der Krippenszenen haben mit ihrer Kunst kleine heile Welten geschaffen, die das Herz anrühren können. hm

(Artikel aus der Zeitschrift "Der Pilger, Bruchsal" )

letzte Aktualisierung

Dienstag, 6. Dezember 2016